06.12.2017

IoT Future Trends 2017 – Rückblick

„Wir stehen vor einer Revolution.“

Mit diesem Satz startete Jörg Bienert, CEO von aiso-lab, seinen Auftakt-Vortrag zu den IoT Future Trends in Köln. Damit meinte er keine geringere Veränderung als die Entwicklung von Maschinen hin zu Entitäten, deren Denkvermögen und -geschwindigkeit die des Menschen übersteigen. Künstliche Intelligenz (KI) und im Speziellen Deep Learning seien der die Basis dieser Revolution. Als Beispiele für das enorme Potenzial nannte Bienert den Sieg eines Neuronalen Netzes beim ImageNet Wettbewerb 2012. Wenige Jahre später schlug Googles AlphaGo die weltbesten Profispieler im Go-Brettspiel.

Bild Jörg Bienert

Jörg Bienert beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, worauf Unternehmen achten müssen, wenn sie KI-Technik einführen und davon profitieren möchten. Hierbei betreibt sein Unternehmen Aufklärung und Awareness. Die größte Herausforderung? Datenmengen so aufbereiten, dass sie für gezielte Analysen verwendet werden können.

Und genau darum ging es bei den IoT Future Trends: „Daten, Daten, Daten – Wie unterstützen uns Künstliche Intelligenz & smarte Assistenzsysteme?“ lautete das Motto, unter dem IoT-Kompetenzgruppenleiterin Dr. Bettina Horster und Thorsten Stuke gewohnt souverän durch das Programm führten. Der gastgebende eco Verband hieß etwa 80 Internet-of-Things-begeisterte Teilnehmer willkommen, die nicht nur hochwertige Vorträge geboten bekamen, sondern auch KI zum Anfassen. Unser Partner hack.institute stellte den Gästen im Foyer ein paar kleine Roboter zum Interagieren bereit.

VR Brille

Im zweiten Vortrag der Agenda nahm Prof. Dietrich Klakow inhaltlich den Faden der Revolution auf und ging auf die Entwicklung intelligenter Sprachassistenzsysteme ein. Drei Veränderungen waren dabei ausschlaggebend: Neuronale Netze als sprachverstehende Komponente; GPUs (Grafikkarten-Prozessoren) zur Bearbeitung rechenintensiver neuronaler Netze; und der enorme Zuwachs an Datenmengen, die die Trainings-Grundlage moderner linguistischer Systeme bilden. Um beispielsweise einen Chatbot ausreichend zu trainieren, sind 300.000 Stunden Sprachmaterial notwendig. Hierin sieht Klakow die größte Herausforderung, weil viele kleinere Unternehmen nicht genügend Daten zur Verfügung stehen bzw. das Datenmaterial von schlechter Qualität ist.

Bild Prof. Klakow

Die Direktorin der Kompetenzgruppe, Dr. Bettina Horster, lieferte im Anschluss einen Best Practice intelligenter Assistenzsysteme: Unter der Federführung ihrer Firma VIVAI Software AG haben Experten das Gemeinschaftsprojekt „Smart Service Power“ für altersgerechtes technologiegestütztes Wohnen ins Leben gerufen. Intelligente Datenaggregation ist hier das Stichwort: Daten werden über Sensoren im Haus erfasst und in eine Plattform integriert, wovon wiederum ein komplettes Ökosystem profitiert (Häusliche Pflege, Notfallmedizin, Hausreinigung uvm.). KI-Tools bieten die Möglichkeit, die Bewohner proaktiv zu unterstützen und den Verlauf ihres Gesundheitszustandes von Big Data Analysen zu erfassen.

Bild Dr. Bttina Horster

Das Projekt hat bereits Preise für innovative Projekte gewonnen und stößt bei den Anwendern auf breite Zustimmung: Ein guter Beweis, dass KI-gestützte Assistenzsysteme bzw. digital Technologien auf Akzeptanz stoßen, wenn sie einen sichtbaren Mehrwert bieten. Mehr dazu hier.

Michael Sahnau von Microsoft präsentierte weitere Use Cases von Künstlicher Intelligenz als Bestandteil von IoT-Plattformen in professionellem und privatem Kontext. Seeing AI ist eine perfektes Beispiel dafür, wie KI Personen im Alltag enorm helfen kann: mit Hilfe intelligenter Erkennungssoftware übersetzt eine Spezialbrille Bilder in Audio-Signale. Sehbehinderte Menschen können ihre Umgebung dadurch detailliert wahrnehmen. Die ThyssenKrupp Elevator AG ist Anwender von KI im Business-Umfeld. Sie hat ihre Aufzugflotte mit Microsoft-Technologie ausgestattet, die mit Hilfe von umfangreichen Datenanalysen präventive Wartungsanweisungen (Predictive Maintenance) geben kann.

Bild Michael Sahnau

Einen kritischen, leicht humorvollen und zum Nachdenken anregenden Beitrag lieferte Prof. Rainer Hofmann von der Hochschule Aschaffenburg: „Herrschaft der Maschinen im ,imperium computratrum‘?“ lautete der provokant fragende Titel seiner Präsentation, in der sich Prof. Hofmann auf die Suche nach der Korrektheit von Fakten und Wahrheit begab. Denn eine künstliche Intelligenz kann noch so intelligent sein – eines weiß sie nicht: Dass ein Faktum tatsächlich wahr ist. Eine Quelle sei nur verlässlich, wenn verlässliche Personen aus Autoren fungieren (Stichwort: Vertrauen). Und so wirft Hofmann im weiteren Verlauf die Fragen auf, ob Computer ein Bewusstsein und eine Ethik haben können. Und wer generiert diese Ethik? Wer verschafft dem Computer einen unabhängigen Willen? Der Computer selbst? Der Programmierer? Wer trägt Verantwortung?

Bild Prof. Hofmann

Fragen, die eine anschließende Panel-Runde unter Teilnahme einiger Referenten diskutierte, und die wir in der Kompetenzgruppe Internet of Things demnächst an Roundtables oder in ähnlichen Formaten vertiefen wollen. Denn es gibt viel zu tun und zu klären – sowohl technologisch als auch rechtlich:

  • Awareness für die Vorteile Künstlicher Intelligenz im (IoT-)Business generieren
  • Die Herausforderungen bei der Implementation von KI-Lösungen bewältigen und Anwender dabei unterstützen
  • Realisierte Anwendungsfelder im Internet of Things präsentieren
  • Die Grenzen und Begrenzungen der Autonomie von Maschinen diskutieren

Ab kommendem Jahr trifft sich die Gruppe der IoT-Interessierten des eco Verbands häufiger, denn die Entwicklungen im Themenspektrum nehmen an Geschwindigkeit und Komplexität zu, so dass auch der Bedarf an Diskussion, Information und Impulsgebung zunimmt. Geplant sind neben den IoT Trend-Events auch Roundtables und Diskussions-Veranstaltungen zu Smart Home, Smart City, Mobility und Industrial IoT sowie Querschnittsthemen aus der Digitalwelt. Während der Hannover Messe sehen wir uns zu eco-Messerundgang und KG-Meeting. Weitere Informationen dazu finden Sie im Verlauf des neuen Jahres auf der Internetseite der Kompetenzgruppe.

Wir bedanken uns bei allen ReferentInnen und TeilnehmerInnen, die die IoT Future Trends zu einem tollen Erlebnis gemacht haben. Die Kompetenzgruppe Internet of Things des eco-Verbands wünscht allen IoT-Begeisterten einen besinnlichen Jahresausklang und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

IoT Future Trends 2017 6