Eine Frage der digitalen Souveränität

02.10.2017
eco Verband erwartet massiv steigende Data Center-Nachfrage in 2017

 
Interview mit Dr. Béla Waldhauser, CEO Telehouse Deutschland GmbH
 

Wie attraktiv Deutschland als Standort bleiben wird, hängt unter anderem von der digitalen Infrastruktur ab. Zusätzlich spielt die Frage der digitalen Souveränität eine wesentliche Rolle, meint Dr. Béla Waldhauser, Leiter der eco Kompetenzgruppe Datacenter Infrastruktur. Im Kurzinterview erläutert er außerdem die Bedeutung hiesiger Rechenzentren.
 

Herr Dr. Waldhauser, warum sollte hierzulande mehr in Rechenzentren und Breitbandnetze investiert werden?

Was das Thema Digitalisierung angeht, ist Deutschland immer noch im hinteren Mittelfeld der Industriestaaten. Eine leistungsstarke digitale Infrastruktur ist aber Voraussetzung für ein weiteres, gesundes Wirtschaftswachstum.

Aus meiner Sicht spielt hierbei insbesondere die digitale Souveränität unseres Landes eine große Rolle. Wir sollten uns nicht unnötig abhängiger als notwendig von anderen Ländern machen, sondern mehr als je zuvor in Rechenzentren und Breitbandnetze in Deutschland investieren beziehungsweise Investitionen in die digitale Infrastruktur unterstützen.
 

Immer mehr Unternehmen nutzen Cloud-Anwendungen, die von großen Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Warum benötigen wir trotzdem weitere Rechenzentren hierzulande?

Viele sind der Meinung: „Die Cloud kommt aus der (Daten-)Steckdose …“ Aber dahinter steckt eine immer größer werdende Infrastruktur bestehend aus performanten Breitbandnetzen und hochverfügbaren Rechenzentren. Schließlich müssen die Daten irgendwo gespeichert und verarbeitet werden.

Wir müssen uns daher entscheiden, ob dies weiterhin in Deutschland geschehen kann oder durch mangelnde digitale Infrastrukturvoraussetzungen vermehrt im Ausland geschehen soll. Wer für eine digitale Souveränität in Deutschland ist, sollte auch den weiteren Ausbau der Rechenzentren in unserem Land unterstützen.
 

Für Rechenzentren gibt es in Deutschland durchaus Standortnachteile. Welche müssen aus Ihrer Sicht am dringendsten beseitigt werden?

Aus meiner Sicht gibt es im Wesentlichen drei Standortnachteile in Deutschland. Einer davon sind die sehr langsamen und umständlichen Prozesse, um hierzulande eine Baugenehmigung zu bekommen. Bei dem aktuell starken Wachstum würde ich mir wünschen, dass wir in maximal drei Monaten eine Baugenehmigung erhalten würden.

Der zweite Punkt ist der sehr langsame Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland. Das betrifft sowohl Geschäftskunden als auch Privatkunden. Wie bereits erwähnt befindet sich Deutschland hier nur im hinteren Mittelfeld der Industrieländer. Damit behindern wir uns nur selbst und sollten dies so schnell wie möglich ändern.

Zu guter Letzt sind die wahnsinnig hohen Stromkosten in Deutschland ein echtes Investitionshemmnis. Ja, wir wachsen mit circa 10 bis 12 Prozent pro Jahr. Aber unsere Nachbarländer in Europa haben derzeit doppelt so hohe Wachstumsraten aufgrund der halb so teuren Stromkosten. Hier müssen wir uns die Frage stellen, ob wir wirklich wollen, dass rein als Folge dieser zuvor beschriebenen Wettbewerbsnachteile in Deutschland unsere Daten zu einem großen Teil im Ausland gespeichert werden.
 

Trotz dieser Nachteile: Was macht speziell Frankfurt so attraktiv?

Frankfurt hat neben der Bedeutung als wichtigster Finanzplatz in Deutschland eine ausgezeichnete Infrastruktur. Da ist nicht nur der Flughafen zu nennen, auch die Glasfaseranbindungen für Rechenzentren sind enorm und nicht zuletzt trägt der DE-CIX als weltgrößter Internet-Austauschknoten zur Attraktivität von Frankfurt bei.

Ich schätze, dass man sich in Frankfurt mit weit über 500 Telekommunikations- und Internet-Dienstleistern konnektieren kann. All dies hat dazu geführt, dass Frankfurt mittlerweile die Internet-Hauptstadt in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa geworden ist.