ecoTrialog #11: Zu Gast in Deutschlands Hohem Norden

Klima-Experten diskutierten über atmende Hardware, Physicalization und Rechnen ohne Strom

Büdesldorf, 06.03.2014 – Mehr als 40 deutschlandweit angereiste Klima- und RZ-Experten trafen sich am 6. März in schleswig-holsteinischen Büdelsdorf um neueTrends in der Klimatisierung von Rechenzentren zu diskutieren.

Neben dem fachlichen Austausch stand auch immer wieder das Networking sowie eine Tour durch das Rechenzentrum des Gastgebers, der ACO Gruppe, auf der Agenda des Experten-Treffens.


























Nach der Begrüßung durch den Gastgeber Michael Käcker, ACO Rechenzentrum, führte Monika Graß, Grass Consulting, durch das Nachmittags-Programm.

Bereits am Vormittag bestand für eine kleine Gruppe von Interessenten die Möglichkeit, das ehem. Rechenzentrum der mobilcom AG, welches von der ACO Gruppe übernommen und erfolgreichzum Colo-Rechenzentrum ausgebaut wurde, zu besichtigen.

Den fachlichen Teil eröffnete Dipl.-Ing. Peter Döbert mit den “Basics für das Wohlfühl-Klima im Data Center”.

Wo liegen diese RZ-Wohlfühlgrenzen, wie hoch setze ich als Betreiber meine eigenen Temperaturgrenzen im Serverraum und wie kommt die Wärme schlussendlich aus dem Rechenzentrum wiederraus? 

Diese und viele weitere Fragen konnte Döbert im Dialog mit den Teilnehmern ausführlich klären bevor im anschliessenden ecoTrialog Talk fünf weitere Fachexperten ausden Bereichen IT-Infrastruktur und RZ-Beratung unter Leitung von Monika Graß zusammen mit Peter Döbert in die erste Diskussionrunde starteten.

Viktor Hagen, CISCO Systems GmbH, plädierte für mehr Automation im Rechenzentrum und ging auf State-of-the-Art Konzepte im Bereich der Verkabelung und des Rack-Managementein.

Wolfgang Christmann, Geschäftsführer der christmann informationstechnik + medien GmbH & Co. KG, zeigte Beispiele für eine thermodynamische Optimierung im Rechenzentrumauf. So könne z.B. bei einer 50% Auslastung im Server-Raum durch geschickte Anordnung der Server-Komponenten ein Kamineffekt den Wärmetransport deutlich unterstützen.

Nicolai Pospiech, Geschäftsführer CoolSolution, zog Parallelen zum Einzelhandel. Hier sei das Prinzip der Einhausung schon seit langem durch verschließbare Kühltruhenbekannt. Er skizzierte den aktuellen Stand in der Kältemittel-Diskussion und führte verschiedene gesetzliche Auflagen als Beispiele an.

Marc Wilkens, Leiter der eco Kompetenzgruppe Datacenter Efficiency und Senior Consultant der proRZ Rechenzentrumsbau GmbH, identifizierte den Strombedarf im Ruhezustand aktuelleingesetzter Server-Generationen (Idle) als noch relativ hoch.

Durch eine zu erwartende Effizienzsteigerung könne es aber zukünftig technisch wie auch wirtschaftlich sinnvoll erscheinen, einen Weg abseits des jetzigen Virtualisierungs-Trends wiederhin zu kleineren dedizierten “Mini-Servern” einzuschlagen. Wilkens umschrieb diesen Trend als “Physicalization”.

Peter Wäsch, Vertriebsleiter Schäfer Ausstattungs-Systeme GmbH, unterteilte den Markt nach verschiedenen Geschäftsszenarien. Teilweise gehen die Klima-Anforderungengroßer als auch kleiner RZ-Betreiber deutlich auseinander.

Nach einer Networking-Pause, welche die Teilnehmer zu einem ausgiebigen Informations-Austausch untereinander sowie mit den insgesamt 21 Referenten der Veranstaltung nutzten, startete mit demecoTrialog Pitch der zweite Teil der Veranstaltung.

Insgesamt 14 Unternehmen stellten jeweils für 10 Minuten ihre Ideen und Lösungsansätze für ein “Wohlfühl-Klima” im Rechenzentrum vor.

Den Auftakt der “Speed-Presentation” machte Daniel Krahnert vom Dresdner Planungs-Spezialisten Innius GTD GmbH. Der Schwerpunkt des Unternehmensgruppe liegt in der integralenTGA-Gesamtplanung unter Anwendung effizienter Planungs-Methoden.

Marc Siggelkow, Geschäftsführer der SK-Kältetechnik GmbH, stellte u.a. verschiedenste Ansätze im Bereich der Geothermie und Eisspeicher-Anlagen sowie dieneuentwickelten Absorbtions-Kältemaschinen “Biene” und “Hummel” in Zusammenarbeit mit der TU Berlin vor.

Anton Immerz, Munters GmbH, zeigte Methoden zur Effizienzmaximierung durch indirekte Verdunstungskühlung auf. Im Gegensatz zur direkten freien Kühlung könne so aufhäufigen Filterwechsel, erhöhten Personalaufwand oder etwa höheren Leistungsaufwand durch entstehende Druckverluste verzichtet werden.

Spyridon Linardakis, e3 Computing GmbH, identifizierte das sich rasant beschleunigende Datenwachstum als größte Herausforderung für die RZ-Branche. Als Kernmerkmale seinerwasserbasierten Kühlungs-Technologie stellte er hohe Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig geringem Raumbedarf in den Vordergrund.

Stefan Medag, Jaeggi Hybridtechnologie AG, gab den Teilnehmern einen Überblick auf unterschiedlichste Kühlsysteme und klassifizierte die zum Einsatz kommenden Technologien nachphysikalischen Merkmalen und Wirtschaftlichkeit anhand des Jahresstromverbrauchs.

Frank Hofmann, EMERSON Network Power GmbH, zeigte am Beispiel geschlossener sowie kaltseitig offener Kühlluftkreisläufe Potenziale für die Klimatisierung im Rechenzentrumauf. Im weiteren Verlauf ging er auf effiziente Verrohrungs-Architekturen als auch optimale Flächennutzung und Redundanzeffekte im Serverraum ein.

Torsten Lankenau, Cofely Refrigeration GmbH, skizzierte am Beispiel eines Kaltwassersatzes anschaulich die Prinzipien der Kaltwassser-Erzeugung. Unter Effizienz-Gesichtspunktenerläuterte er die technischen Parameter wie reibungsfreie Kompression, Drehzahlregelung, Startverhalten oder Schalldruckpegel.

Norbert Keil, Schneider Electric GmbH, unterschied in seiner Präsentation Reihen- von Raum-Klimatisierung und erläuterte den Teilnehmern die physikalischen Prozesse einerintelligenten Freikühlung anhand von Radial-Ventilatoren, Plattenwärmetauscher und Scroll-Verdichter.

Joachim Schoch, SWEGON Climate Systems Germany GmbH, stellte individuelle Systemlösungen in den Vordergrund seines Vortrages. Wärmerückgewinung, DrehzahlgeregelteVerdichter und Hydraulikpumpen sowie eine gleitende Freikühlregelung waren für ihn die ausschlaggebenden Faktoren im Bereich einer wirtschaftlichen Klimatisierung.

Mario Schlotte, Weiss Klimatechnik GmbH, zeigte am Beispiel einer großflächigen Wärmetauscher-Wand, wo heute die Unterschiede zu einer herkömmlichen Schrankbauweiseliegen.

In der Funktion ähnlich wie ein Präzisionsklima-Gerät eigne sich diese Bauweise jedoch eher thermisch hoch belastete Serverräume.

Bernt Gottschling, Weiss Doppelbodensysteme GmbH, skizzierte am Beispiel eines in die Doppelbodenplatte integrierten Klimagerätes, wie eine bedarfsgesteuerte Luftmengen-Regulierunghelfen kann, den ROI deutlich zu verkürzen.

Ingo Hieke, STULZ GmbH, zeigte die Entwicklung und den Einsatz unterschiedlicher Kältemittel auf. Als Vorteil des Kältemittels Wasser führte er die hoheUmweltfreundlichkeit, leichte Verfügbarkeit und kostengünstige Beschaffung sowie eine signifikante CO2-Reduktion an.

Pedro Matser, Kyoto Cooling BV, unterschied bei der IT-Kühlung den traditionellen Entwurf, der häufig auf eine Volllast optimiert sei von einem optimiertenKlimatisierungs-Entwurf, der flexibel mit der sich ändernden IT-Last wachen kann. Anhand einer PUE-Landkarte erläuterte er anschaulich die Zusammenhänge von geografischer Breite underreichbarer Klimatisierungs-Effizienz.

Lutz Ackermann, DC-CE RZ-Beratung, stellte als Abschlussredner des ecoTrialog Pitch eine indirekte Kühlung mit nur einem Wärmeübergang in den Mittelpunkt seinerAusführungen.

Eine optimale Klimatisierung skizzierte er als einfach zu verstehen, einfach zu betreiben, einfach zu warten und zu alle dem auch noch ausfallsicher und energieeffizient im Teillast-Betrieb.

In der sich an die 14 Kurzvorträge anschliessenden Diskussionsrunde hatten die Gäste wieder ausführlich Gelegenheit, Fachfragen mit den Referenten und untereinander im Dialog zuklären.

Nach Abschluss der Diskussionsrunde konnten die Teilnehmer des elften ecoTrialogs beim sich anschliessenden Networking-Dinner mit direktem Blick auf die meistbefahrenste Wasserstrasse der Welt,dem Nord-Ostsee-Kanal, die neu geschlossenen Kontakte weiter vertiefen und offen gebliebene Fragen untereinander diskutieren.

Weitere Fotos der ecoTrialog #11 finden Sie in unserem Flickr-Album.

Der ecoTrialog #12 findet bereits in zwei Wochen, am 18. März 2014 in Frankfurt statt. Unter dem Titel “We are all customers” werden Rechenzentrums-Experten aktuelle Fragen rund um die Themen SLA-Management, Serviceorientierung und Vertragsgestaltung diskutieren. Gastgeber desecoTrialog #12 ist die e-shelter facility services GmbH.

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