„Da ist mehr unternehmerische Courage gefordert“

21.04.2017

Digitalisierung in Deutschland

Trotz positiver Grundstimmung kommt die Digitalisierung in Deutschland eher schleppend voran. Zudem sprechen Skeptiker von dem Verlust von Arbeitsplätzen. Diese Skepsis beruht aber auf einer zu eingeschränkten Wahrnehmung, meint eco Geschäftsführer Harald A. Summa im Interview und erläutert die Chancen der Digitalisierung.

Herr Summa, nach der neuesten YouGov-Umfrage ist der überwiegende Teil der Befragten von der positiven Wirkung der Digitalisierung auf die Wirtschaft überzeugt. Sehen Sie das auch so?

Zunächst einmal freue ich mich, dass die Mehrheit das so wahrnimmt und dass sich diese Wahrnehmung mit den Fakten deckt. Die Bedeutung der Internetbranche für den Standort Deutschland zeigt sich an der jährlichen Wachstumsprognose von 12 Prozent bis 2019. Aber nicht nur. Wir erleben gerade das Verschmelzen aller Branchen mit dem digitalen Ökosystem. Das Internet ist längst zur Basis vieler Geschäftsmodelle geworden. Abläufe werden effizienter, Ressourcen werden frei, das bringt Wachstumspotenziale und kann so letztlich alles stärken, das „Made in Germany“ ist.

Welche Rolle spielt dabei das Internet der Dinge?

Man verkennt den Nutzen des Internets der Dinge, wenn man die netzwerkfähigen Geräte isoliert betrachtet. Das Potenzial steckt in der Anfangsphase in Geräten, die miteinander vernetzt sind. Wenn möglichst viele Teile des Ökosystems samt Lieferketten, Kundenmanagement und Maschinenpark integriert werden, sehen wir, was das Internet der Dinge leisten kann. Abläufe werden gestrafft, Arbeitsschritte segmentiert und automatisiert und ganz wichtig: Ausfälle werden minimiert.

Trotzdem gibt es Skeptiker, die beispielsweise vor dem Verlust von Arbeitsplätzen warnen. Was entgegen Sie diesen?

Die Skepsis hängt damit zusammen, dass die Digitalisierung in ihrer gegenwärtigen Phase in erster Linie als Werkzeug für mehr Effizienz wahrgenommen wird. Das setzt Ressourcen frei, auch menschliche. Bislang waren derartige Entwicklungen für den Arbeitsmarkt unterm Strich meist positiv, am Ende gab es in der Regel mehr Jobs als zuvor und auch für den einzelnen Arbeiter gab es sinnvolle Weiterbildungen.

Wir sollten uns aber nicht darauf verlassen, dass das in Zukunft so bleibt. Wir sollten lieber etwas dafür tun. Dazu gehört es, den digitalen Wandel eben nicht nur dafür zu nutzen, die bestehende Arbeit effizienter zu erledigen, sondern neue Geschäftsmodelle zu schaffen. Da ist mehr unternehmerische Courage gefordert. Wir sollten aber auch bessere Ausgangsbedingungen schaffen. Ob die Rechnung dann wieder aufgeht, hängt davon ab, ob wir bestehende Wertschöpfungsketten effizienter organisieren oder erfolgreich neue schaffen.

Was braucht es aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Digitalisierung?

Die Grundlage ist unsere digitale Infrastruktur und die hinkt leider im internationalen Vergleich hinterher. Es gibt in Deutschland noch immer Unternehmer, die mit ihren Geschäftspartnern im Ausland keine Videokonferenzen durchführen, weil sie sich nicht mit ihren mickrigen Bandbreiten blamieren wollen. Die Gigabit-Gesellschaft sieht anders aus. Umso zuversichtlicher bin ich, was die Menschen angeht. Mit Kompetenz, Aufgeschlossenheit und vor allem Zuversicht sind wir sehr gut ausgestattet – wie die YouGov-Umfrage einmal mehr bewiesen hat.

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